Makellose Beine sind oft eher Wunsch als Wirklichkeit: Frauen neigen häufiger zu Venenproblemen als Männer
Gegen manche Dinge ist man machtlos. Zum Beispiel gegen seine Gene: Wer von den Eltern ein schwaches Bindegewebe geerbt hat, neigt deshalb eher zu Venenproblemen als andere Menschen. Frauen übrigens mehr als Männer, erst recht nach einer Schwangerschaft. Denn die Hormone, die das Bindegewebe im Becken lockern und so dem Baby die Geburt erleichtern, schwächen auch das Bindegewebe der Venen.
"Das sind, genau wie der Alterungsprozess, Faktoren, die sich nicht beeinflussen lassen", erklärt Dr. Peter Heider, Venenspezialist in einer Münchner Praxis für Gefäßchirurgie. Entsprechend viele Menschen sind betroffen: "Mindestens 16 Millionen, etwa jede zweite Frau und jeder vierte Mann in Deutschland, haben krankhafte Veränderungen an den Venen", so Heider.
Hilflos zusehen, wie sich Krampfadern entwickeln, muss trotzdem niemand. Meist passiert das nämlich auch bei einer genetischen Veranlagung erst, wenn die Venen zusätzlich strapaziert werden: zum Beispiel durch einen Beruf, den man fast nur im Stehen ausübt, durch Übergewicht, durch häufiges Pressen bei Verstopfung. Dies alles sind Risikofaktoren, die sich durchaus beeinflussen lassen.
Erste Alarmzeichen: Geschwollene, schmerzende Beine
Erste Anzeichen dafür, dass mit den Venen etwas nicht stimmt, sind geschwollene, schmerzende Beine, vor allem nach einem langen Tag am Schreibtisch oder hinter der Ladentheke. Oft fühlen sich die Füße bleischwer an oder kribbeln unangenehm. Anfangs verschwinden diese Beschwerden, wenn man die Beine hochlegt. Doch mit der Zeit vergehen sie nicht mehr.
Die Venen transportieren das sauerstoffarme Blut zum Herzen und in die Lunge. Unterstützt werden sie von der "Muskelpumpe": Bei jeder Bewegung drücken die Muskeln die Venen zusammen und pressen das Blut herzwärts. Venenklappen, die sich nur in eine Richtung öffnen, sorgen dafür, dass das Blut nicht zurücksackt.
Richtungsgeber: Die Klappen
Die Venen transportieren sauerstoffarmes Blut zum Herzen und in die Lunge.
Abb. 1 und 2: Die Venenklappen verhindern wie Rückschlagventile, dass Blut zurückfließt
Abb. 3: Erweiterte Vene, die Klappen schließen nicht mehr
Stundenlanges Stehen oder Sitzen, bei dem die Muskeln wenig aktiv sind, erhöht den Druck auf die Venenwände. Dadurch können sie sich erweitern, sodass die Klappen nicht mehr richtig schließen und das Blut sich in den Beinen staut.
Bis sich Krampfadern bilden, kann es zwar noch eine Weile dauern. Doch so lange sollte man nicht warten. "Es lohnt sich, rechtzeitig gegenzusteuern", sagt Experte Heider. So beugt man nicht nur Krampfadern vor, sondern auch anderen Problemen wie Thrombosen, Venenentzündungen und offenen Beinen.
Rechtzeitig zum Gefäßspezialisten
Eine Ultraschalluntersuchung gibt Aufschluss über den Blutfluss in den Venen und die Funktion der Klappen
Heider rät, sich frühzeitig an einen Gefäßspezialisten zu wenden – gerade wenn Mutter oder Vater schon Krampfadern haben, was für eine erbliche Veranlagung spricht. Der Arzt kann per Ultraschall und anhand einfacher Tests feststellen, wie gut das Blut aus den Venen abfließt und ob die Klappen noch richtig schließen. "Bei Diabetes ist das besonders wichtig", sagt Heider. "Weil die Zuckerkrankheit Arterienverkalkung fördert, haben viele Diabetiker Durchblutungsstörungen in den Beinen. Das macht es schwieriger, Venenproblemen vorzubeugen."
Vorbeugend Stützstrümpfe
Wer viel sitzt, steht oder eine erbliche Venenschwäche hat, dem rät Heider vorbeugend zu Stützstrümpfen (siehe nächstes Kapitel). Sie üben einen Druck aus, der dem Aussacken der Venenwände entgegenwirkt.
Schließen die Venenklappen nicht mehr richtig, sind Kompressionsstrümpfe notwendig. Da ein Blutrückstau die Venen an den Sprunggelenken am stärksten belastet, sitzen die Strümpfe dort am engsten. Bei Arterienverkalkung in den Beinen ist das Tragen von Stütz- und Kompressionsstrümpfen jedoch nur bedingt oder gar nicht möglich: Sie könnten die Durchblutung weiter verschlechtern. "Deshalb muss der Arzt vorher die Arterien untersuchen", sagt Heider.
Neben dem Tragen der Strümpfe kann man noch einiges mehr für seine Venen tun. Am wichtigsten: Bewegung. Gehen, Treppensteigen, Wandern oder Walken unterstützen die Muskelpumpe. Wer viel steht oder sitzt, kann den Blutfluss zwischendurch mit einfachen Übungen fördern (siehe rechts).
Bewegen hilft zudem, Übergewicht abzubauen, das die Venen belastet. Ballaststoffe und reichlich Flüssigkeit regen die Verdauung an und machen starkes Pressen beim Stuhlgang unnötig. Auf enge Kleidung und hohe Schuhe sollte man den Venen zuliebe verzichten. Leichtere Venenbeschwerden lassen sich durch pflanzliche Mittel mit Rotem Weinlaub, Rosskastanie oder Mäusedorn lindern.
Dr. Sabine Haaß / Diabetes Ratgeber;
10.01.2012, aktualisiert am 26.01.2012
Bildnachweis: W&B/Dr. Ulrike Möhle/Neisel, W&B/Maik Kern, Thinkstock/Hemera
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